WP 3.2 Die populistisch-diskursive Konstruktion eines Stadt-Land-Gegensatzes (aus Sicht des Landes)

Leitung: Prof. Dr. Bernd Belina
Beteiligte: Dr. Reiner Becker, Prof‘in Dr. Kristina Dietz, Prof. Dr. Miquel Pellicer, Prof‘in Dr. Eva Wegner, Dr. Johann Braun

Politische Akteure nutzen populistische Mittel, um einen vermeintlichen Gegensatz zwischen Stadt und Land herzustellen. Auf dem Land werden Wähler*innen als „normale“ Menschen gegen „urbane Eliten“ positioniert, mit regressiven Positionen (z.B. rückwärtsgewandte, autoritäre Haltungen) zu Themen wie Klima- und Energiepolitik (z.B. Verbrennerverbot, fossile Heizungen, Agrardiesel) oder gesellschaftlichem Wandel (Flucht/Migration, Genderfragen, Rechte von LGBTQI+-Personen).

Auf dem Land gibt es enge soziale Strukturen: kurze Kommunikationswege, personenzentrierte Politik, Konformitätsdruck und starke Traditionen. Solche Bedingungen könnten populistische Ansprachen wirksam machen. Gleichzeitig könnten dieselben Strukturen helfen, regressive Tendenzen zu stoppen und Demokratie zu stärken.

(1) Rekonstruktion populistischer Anrufungen und Untersuchung in hessischen Dörfern

Zuerst werden populistische Ansprachen an „das Land“ in öffentlichen Debatten nachgezeichnet. Dann wird in ausgewählten hessischen Orten geprüft, ob, wie und warum diese Ansprachen ankommen. Dazu werden nuancierte, widersprüchliche oder ressentimentgeladene Sichtweisen „des Landes“ auf Stadt-Land-Beziehungen gesammelt. Die Orte werden unter Nutzung von DemoGIS kontextualisiert. Ausgewertet wird das Verhältnis von „Provinzialität“ (ländlicher Lebensstil) zu Demokratie oder Regression.

(2) Internationaler Kontext

Stadt-Land-Konflikte mit regressiven Zügen gibt es weltweit. Es ist geplant die hessischen Ergebnisse in einer internationalen Fachtagung an der Universität Kassel global einzuordnen.

Beitrag zum Forschungsverbund

(1) In Zusammenarbeit der WP 1.2, 2.2 und 3.2 wird er Fokus auf unterforschte ländliche Räume du lokale Konstellationen gerichtet.

(2) WP 3.2 rückt institutionell die Kommunalpolitik in den Fokus: zunehmend aufgegebene Subsidiarität, Haushaltskürzungen, Abbau von Infrastruktur und Grundversorgung (z.B. Schulen, Krankenhäuser), Gefühle der Missachtung durch höhere Ebenen (EU, Bund, Land), Abgehängt-Sein, sinkendes Vertrauen in Demokratie bis hin zu Angriffen auf Lokalpolitiker*innen.

DemoReg

Anschrift

Philipps-Universität Marburg
Institut für Politikwissenschaft
Forschungsverbund DemoReg
Ketzerbach 63
D-35032 Marburg

Tel: +49 6421 28-24949
Fax: +49 6421 28-28991

E-Mail: demoreg@uni-marburg.de 

Gefördert durch

Kleingedrucktes

Besuchen Sie uns auch hier:

Linkedin Linkedin