Podcast „Extreme Zeiten“
„Extreme Zeiten!“, der Podcast des Demokratiezentrums Hessen: Hier sprechen wir einmal im Monat mit Expert*innen und Berater*innen über Einblicke und Hintergründe zu ihrer Arbeit, geben Erfahrungsberichte und Handlungsempfehlungen zu Themen wie Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungen oder gewaltorientierten Islamismus. Wir wollen zum Beispiel wissen, was ist eigentlich Antisemitismus heute oder Antiziganismus? Was tun gegen rechtsextreme Stimmungen in der Schule oder rassistische Parolen am Stammtisch? Was mache ich, wenn mein Kind auf dem rechten Weg ist? Wie rede ich mit Leuten, die an Verschwörungsmythen glauben?
Diese und viele andere Fragen – sowie Arbeitsansätze und Analysen aus dem Bereich der Demokratiefeindlichkeit – werden wir hier mit spannenden Gästen aus der Wissenschaft und der Praxis für euch diskutieren – unabhängig von tagespolitischen Konjunkturen.
Kommunalwahl und Superwahljahr 2026
Wo steht die Demokratie?
2026 ist ein Superwahljahr: Fünf Landtagswahlen und vier Kommunalwahlen stehen auf dem Programm. In dieser Folge von „Extreme Zeiten!“ zieht Angela Fitsch gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Biebricher eine erste Bilanz. Biebricher ist Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und forscht zu Krisen, konservativer Politik und zur Theorie des Neoliberalismus. Im Mittelpunkt stehen die hessische Kommunalwahl vom 15. März sowie die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg – und der Blick auf die spannenden Herbstwahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Was bedeutet der Zuwachs der AfD auf kommunaler Ebene für die Demokratie vor Ort – in Gemeinderäten, Stadtparlamenten, im politischen Alltag? Welche Lehren lassen sich aus dem überraschenden Sieg der Grünen in Baden-Württemberg ziehen? Und wie erklärt sich, dass junge Wähler*innen je nach Bundesland so unterschiedlich abstimmen – links in Kassel und Darmstadt, rechts in Rheinland-Pfalz? Thomas Biebricher ordnet ein, was diese Ergebnisse über den Zustand der deutschen Parteienlandschaft verraten – und was auf dem Spiel steht, wenn die AfD im Herbst weiter zulegt.
Wer sich tiefer mit den Themen dieser Folge beschäftigen möchte, von Thomas Biebricher sind im Suhrkamp Verlag zwei sehr empfehlenswerte Bücher erschienen: „Mitte/Rechts. Die internationale Krise des Konservatismus“ (https://www.suhrkamp.de/buch/thomas-biebricher-mitte-rechts-t-9783518430996) und der Sammelband „Oben rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt“ (https://www.suhrkamp.de/buch/oben-rechts-t-9783518128138).
Du hast Fragen, Anregungen und Ideen? Schreibe uns an: podcast@beratungsnetzwerk-hessen.de
Wir bedanken uns herzlichst bei dem Team des Medienzentrums der Universitätsbibliothek in Marburg für die großartige Zusammenarbeit sowie für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und des Equipments.
Das Demokratiezentrum Hessen, Fach- und Geschäftsstelle des Beratungsnetzwerks Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, wird mit Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ gefördert.
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des HMdIS, des BMBFSFJ oder des BAFzA dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die Verantwortung.
Gewalt gegen Bürgermeister*innen
Mit Nora Zado
In der aktuellen Folge war Nora Zado vom Demokratiezentrum Hessen zu Gast. Auf Grundlage ihrer Forschung zu Anfeindungen und Gewalt gegen Bürgermeister*innen in Hessen beleuchtet sie, welchen Belastungen Mandatsträger*innen ausgesetzt sind, die sich auf lokaler Ebene für ihre Gemeinden engagieren. Dabei wird deutlich: Die Bedrohungslage hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft und stellt nicht nur eine Gefahr für die betroffenen Amtsträger*innen dar, sondern untergräbt auch die demokratische Kultur in unseren Kommunen.
Im Gespräch diskutieren wir die Hintergründe dieser Entwicklung und schauen auf konkrete Erscheinungsformen der Anfeindungen – von verbalen Attacken in Ratssitzungen über Hassnachrichten in sozialen Medien bis hin zu physischer Gewalt. Nora Zado stellt erste Forschungsergebnisse aus ihrer Studie vor und ordnet diese wissenschaftlich ein. Dabei wird deutlich, welche Rolle gesellschaftliche Polarisierung, Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und die Enthemmung im digitalen Raum spielen. Zugleich diskutieren wir mögliche Präventions- und Schutzstrategien: Welche Maßnahmen können Kommunen ergreifen, um ihre Amtsträgerinnen zu schützen? Und wie lässt sich eine Kultur des Respekts in der Kommunalpolitik stärken?
Den vollständigen Artikel findet ihr in der Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit, die im Wochenschau Verlag erscheint: https://demokratie-gegen-menschenfeindlichkeit.de/
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Demokratieskeptiker*innen
In dieser Folge spricht Dr. Reiner Becker darüber, wie der Begriff der „Demokratieskepsis“ überhaupt gefasst werden kann. Er zeigt, dass Menschen, die skeptisch auf Demokratie blicken, nicht automatisch extremistisch sind, sondern oft aus Unsicherheit, Enttäuschung oder fehlender Repräsentation heraus zweifeln. Demokratieskeptiker*innen bewegen sich in einem Zwischenraum. Sie stellen demokratische Prozesse infrage, ohne sie grundsätzlich abzulehnen.
Zugleich macht Becker deutlich, dass Demokratieskepsis eng mit gesellschaftlichen Erfahrungen zusammenhängt. Bildungsstand, Einsamkeit, das Gefühl politischer Ohnmacht oder Wahrnehmungen von Ungerechtigkeit beeinflussen die Haltung zum politischen System. Genau hier liegt die Herausforderung für Demokratiearbeit. Skepsis kann in produktive Beteiligung übersetzt werden, wenn Dialogräume geschaffen werden, die ernst nehmen, zuordnen und Orientierung bieten.
Den vollständigen Artikel findet ihr in der Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit, die im Wochenschau Verlag erscheint: https://demokratie-gegen-menschenfeindlichkeit.de/
Weitere Informationen zum Demokratiezentrum findet ihr hier: https://beratungsnetzwerk-hessen.de/
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Was ist DemoGIS?
Mit Dr. Bernd Belina
In dieser Folge sprechen wir über DemoGIS, ein innovatives Projekt des Demokratiezentrums Hessen in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt. Das webbasierte Geoinformationssystem wurde 2020–2021 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Bernd Belina entwickelt. Es macht rechtsextreme und menschenverachtende Vorfälle sichtbar, indem es öffentlich zugängliche Daten – etwa zu Wahlergebnissen, sozioökonomischen Strukturen und Aktivitäten lokaler Partnerschaften für Demokratie – auf Kreis-, Gemeinde- und Ortsteilebene zusammenführt und kartografisch darstellt. So entsteht ein datenbasiertes Verständnis regionaler Dynamiken, das sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Prävention ermöglicht.
Als Gast begrüßen wir Prof. Dr. Bernd Belina, Humangeograf an der Goethe-Universität Frankfurt und Initiator des Projekts. Mit ihm sprechen wir über die Potenziale raumbezogener Analyse politisch motivierter Gewalt, über die Verbindung von Wissenschaft und Praxis sowie über konkrete Anwendungsmöglichkeiten im Kampf gegen Demokratiefeindlichkeit. DemoGIS zeigt, wie sozialräumliche Forschung gesellschaftlich relevante Handlungsspielräume eröffnen kann.
Hier finden Sie das Projekt: DemoGIS-Tool
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://www.uni-marburg.de/de/fb21/erzwinst/demokratiezentrum/forschung/1-laufende-projekte/1-1-rechtsextremismus-rassismus-und-demokratiefeindlichkeit-forschung-und-wissenschaftliche-weiterbildung-1/1-1-1-demogis-hessen
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Wiederholung der 30er-Jahre?
Was lehrt uns die Geschichte der Weimarer Republik und welche Schlüsse ziehen wir daraus für unsere Gegenwart? In dieser Folge fragen wir, wie es um unsere Demokratie heute steht: Ist sie stabil genug, um antidemokratischen Kräften standzuhalten? Gemeinsam mit dem Historiker Prof. Dr. Eckart Conze, Professor für Neuere Geschichte an der Philipps-Universität Marburg, sprechen wir über das mögliche Verbot der AfD, über historische Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Republik und über die politische Lage in einer Zeit, in der autoritäre Rhetorik und Systemverachtung wieder lauter werden. Die Geschichte bietet keine einfachen Antworten – aber sie zeigt, wie Demokratien sterben können.
Prof. Dr. Conze ordnet ein, warum historische Vergleiche sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Wir sprechen über die Bedeutung politischer Kultur, über demokratische Resilienz und über die Verantwortung von Politik, Medien und Gesellschaft. Eine Folge, die zeigt: Geschichte ist kein Schicksal, aber sie mahnt, wenn wir bereit sind, genau hinzusehen.
Mehr zu dem Thema findet ihr in Herr Conzes Werken: Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe, München (dtv) 2021
Eckart Conze, Astrid Wallmann: Gefühlte Demokratie. Die Weimarer Erfahrung im 20. und 21. Jahrhundert, Frankfurt a.M./New York (Campus) 2025.
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Bundestagswahlen 2025
In dieser Folge von Extreme Zeiten sprechen wir mit Prof. Dr. Ursula Birsl, Politikwissenschaftlerin an der Philipps-Universität Marburg, über die Ergebnisse der Bundestagswahl und ihre weitreichenden Folgen. Welche politischen Kräfte haben sich durchgesetzt, welche Entwicklungen waren überraschend, und was bedeutet das Wahlergebnis für die Zukunft der Demokratie in Deutschland? Gemeinsam analysieren wir, ob das Ergebnis ein historischer Wendepunkt oder politische Kontinuität abbildet.
Nach der intensiven Wahlnacht geht es nun um die Einordnung: Welche Koalitionen sind realistisch? Welche politischen Herausforderungen kommen auf die neue Regierung zu? Prof. Dr. Birsl erläutert, welche gesellschaftlichen Strömungen sich im Wahlergebnis widerspiegeln und wie sich die politische Landschaft langfristig verändern könnte. Ein Blick auf die internationale Reaktion rundet die Diskussion ab. Hört rein für eine fundierte Nachbesprechung mit wissenschaftlicher Einordnung!
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Landtagswahlen in Ostdeutschland
Nur wenige Monate nach ihrem ersten Besuch dürfen wir Frau Prof. Dr. Ursula Birsl erneut in unserem Podcast willkommen heißen! Diesmal haben wir die renommierte Politikwissenschaftlerin gefragt, wie sie die Wahlergebnisse im Osten Deutschlands bewertet und welche Auswirkungen diese auf die Regierungsbildung haben könnten.
In Bezug auf ein mögliches AfD-Verbot vertritt Frau Birsl eine differenzierte Position: Die Auseinandersetzung mit der AfD sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und dürfe nicht allein den Parteien überlassen werden. Ein Verbot der Partei würde das Problem nicht lösen, da die Wähler*innen der AfD dadurch nicht verschwinden würden. Dennoch hält sie ein Verbotsverfahren im Sinne einer wehrhaften Demokratie für wünschenswert.
Wir diskutieren auch das Bündnis rund um Sahra Wagenknecht: Wie ist es einzuordnen, und ist eine Regierungsbildung ohne diese neue Partei noch realistisch? Die bisherigen Koalitionsverhandlungen sind in jedem Fall außergewöhnlich: Sahra Wagenknecht ist nicht nur aktiv involviert, sondern besteht auch darauf, dass zentrale Bundesthemen, wie etwa die Waffenlieferungen an die Ukraine, Teil der Verhandlungen sind.
Ein weiteres spannendes Thema ist die Wählerschaft der AfD unter jungen Menschen. Laut der aktuellen Shell Jugend-Studie trifft die Annahme, dass die Jugend stark zur AfD tendiert, nicht zu. Im Gegenteil: Junge Menschen zeigen ein hohes politisches Interesse, und das Bild von einer desinteressierten Jugend ist eher ein verbreitetes Vorurteil. Ein Blick in die Studie lohnt sich auf jeden Fall: https://www.shell.de/ueber-uns/initiativen/shell-jugendstudie-2024/informationsmaterial-2024.html
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Rechtsextremismus und Gender
Welche Rolle spielen Frauen und Geschlechterverhältnisse innerhalb rechtsextremer Parteien und Bewegungen? Die zunehmende Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse provoziert Gegenbewegungen, da traditionelle Ordnungsvorstellungen aufgegeben werden müssen. Diese Entwicklungen mobilisieren Männer und Frauen gegen die sogenannte „Gender-Ideologie“, da sie Verunsicherung und Identitätskrisen verursachen, wenn etablierte Rollenverhältnisse ins Wanken geraten. Obwohl Frauen tendenziell progressivere und eher linke Einstellungen haben, spiegelt sich dies nicht immer in ihrem Wahlverhalten wider, und sie sind, wenn auch seltener, in rechtsextremen Strukturen zu finden.
In unserem Podcast sprach Prof. Dr. Ursula Birsl, Professorin für Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, über maskulinistische Identitätspolitik, vertreten durch Figuren wie Maximilian Krah und Bernd Höcke. Diese Politiker propagieren ein konservatives Rollenbild und nutzen die Unsicherheiten in der Gesellschaft, um gegen progressive Geschlechterrollen zu mobilisieren. Prof. Dr. Birsl erklärte, wie Frauen zur Verbreitung rechtsextremer Ideologien beitragen und welche Rolle sie in der rechtsextremen Szene spielen.
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Was ist Haltung?
„Haltung“ ist ein inflationärer Containerbegriff: Immer, wenn alle Stricke reißen, scheint der Ruf nach Haltung laut zu werden. In einer bestimmten Lesart ist Haltung nicht loszulösen von einer persönlichen oder gesellschaftlichen Krisenerfahrung. Doch schaut man sich einzelne Aspekte des Haltungsbegriffs näher auf dem Seziertisch an, lässt sich ein facettenreiches und spannendes Konzept entdecken, welches von einer gesinnungsethischen Nabelschau reichen kann, bis hin zur Frage nach Mut und Verantwortung in unsicheren Zeiten.
Reiner Becker (Leiter des Demokratiezentrums Hessen) hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit der Frage „Was ist Haltung?“ mit Blick auf Pädagogik und Beratung auseinandergesetzt. Zusammen mit Susann Gessner hat er ein Themenheft „Haltung“ für die Zeitschrift „Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit“ herausgeben:
https://www.wochenschau-verlag.de/Haltung/ZDgM2-21
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Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Team des Medienzentrums der Universitätsbibliothek in Marburg für die tolle Zusammenarbeit sowie für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und des Equipments.
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