WP 2.1 Ungleichheitseffekte und Ausschlusserfahrungen

Leitung: Prof’in Dr. Isabelle Borucki
Beteiligte: Prof. Dr. Dirk Jörke, Jan Borcherding, Simon Unger

WP 2.1 untersucht, wie soziale Marginalisierung (Randständigkeit, z.B. wenig Ressourcen, geringe Anerkennung) und das Gefühl des Ausschlusses mit elitenkritischen und demokratiefeindlichen Einstellungen zusammenhängen. Dazu werden wichtige Texte der Demokratietheorie ausgewertet und mit empirischen Daten verbunden, u.a. mit Ergebnissen aus WP 2.2 und Daten des Hessenmonitors (repräsentative Befragung in Hessen zu politischen Einstellungen und Erwartungen an Demokratie).

Konkret wird untersucht, ob das demokratische Versprechen von sozialer Gleichheit und Teilhabe (materiell wie kulturell) in bestimmten sozialen Gruppen und Regionen als nicht erfüllt erlebt wird, wie sich das auf das Demokratieverständnis auswirkt und inwieweit es Misstrauen gegenüber „denen da oben“ sowie die Ablehnung liberal-demokratischer Grundrechte fördert. Dabei wird auch gefragt, woran Menschen anknüpfen, wenn sie an frühere oder zukünftige demokratische Zustände denken und ob sie Hoffnung auf mehr Demokratie haben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf digitalen Räumen: Es wird untersucht, wie Ausschlussmechanismen aus der analogen Welt in Online-Kontexte übertragen werden. Dazu gehören z.B. kommunikative und individuelle Fähigkeiten (wer kann wie gut digitale Angebote nutzen), kleinräumige Daten (z.B. auf Ebene von Gemeinden oder Stadtteilen) und Formen digital vernetzter Partizipation (online organisiertes Mitmachen). Im Mittelpunkt stehen die Chancen und Risiken vertiefter Ungleichheiten: Wer wird weiter abgehängt, wer gewinnt neue Möglichkeiten der Beteiligung?

Zusätzlich analysiert WP 2.1, wie grundlegende Voraussetzungen für Demokratie erodieren, etwa Wirtschaftswachstum oder eine funktionierende Infrastruktur (z.B. ÖPNV, digitale Netze, öffentliche Einrichtungen). Um diese komplexen Zusammenhänge zu erfassen, kommen verschiedene Methoden zum Einsatz: qualitative Verfahren (z.B. Interviews, Textanalysen) und quantitative Analysen, unter anderem im Rahmen einer sozialen Netzwerkanalyse (Untersuchung von Beziehungs- und Kommunikationsnetzen).

Beitrag zum Forschungsverbund
Die Ergebnisse von WP 2.1 fließen in das Gesamtprojekt ein, insbesondere in die demokratietheoretischen Überlegungen von WP 3.1 und in die Arbeit zu digitalen und sozialen Räumen in WP 1.2. Besonders interessant ist, ob die in der Bevölkerung gelebten und geäußerten Demokratiebilder von den theoretischen Grundannahmen des Projekts abweichen. Die Befunde werden in Workshops des Forschungsverbunds diskutiert und sollen außerdem in mindestens zwei wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln veröffentlicht werden.

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Anschrift

Philipps-Universität Marburg
Institut für Politikwissenschaft
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Ketzerbach 63
D-35032 Marburg

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