Der Workshop fand am 24. & 25.03.2026 am Institut für Politikwissenschaft, der Philipps-Universität Marburg statt.
Weltweit befindet sich die (liberale) Demokratie auf dem Rückzug. Nicht nur junge, sondern ebenfalls etablierte Demokratien sind von autoritären Tendenzen betroffen oder befinden sich vielleicht schon in einer autoritären Transformation. Mit welchem Begriff lassen sich diese Entwicklungen am besten beschreiben? Ein zweitägiger DemoReg-Expert*innen-Workshop diskutierte im März über die Eignung unterschiedlicher Zeitdiagnosen.
Verbundsprecherin Ursula Birsl begrüßte in Marburg Teilnehmer*innen aus ganz Hessen und gab einen Überblick über drei mögliche Begriffe, die in den Sozialwissenschaften diskutiert werden: Regression, Demokratiekonflikt und Faschismus. Diesen Begriffen näherte sich der Workshop aus unterschiedlichen Perspektiven an. Oliver Eberl kritisierte am Regressionsbegriff eine implizite Abwertung bestimmter Bürger*innen und argumentierte für die Analyse eines Demokratiekonflikts zwischen liberaler Demokratie und Populismus. Martin G. Maier und Alex Demirović skizzierten in ihren Beiträgen, dass bestimmte rechte Akteur*innen nur unzureichend mit dem Begriff des Faschismus zu fassen seien. Nur einzelne Elemente der Faschismustheorien seien in der Gegenwart anwendbar, etwa das Verhältnis zu Gewalt. Dass autoritäre Tendenzen auch in digitalen Räumen wirkten, zeigte Isabelle Borucki am Phänomen der Tradwives.
Wie Veith Selk mit seinem Konzept der Demokratiedämmerung belegte, wird in der Politikwissenschaft jedoch weiter über die finale Deutung solcher Tendenzen gerungen. Eine Arbeitsgruppe setzte sich damit auseinander, wie der Forschungsverbund Geschlechterdimensionen angemessen berücksichtigen kann – eine männergemachte / systematische Leerstelle vieler Forschungsvorhaben. Dazu argumentierte Christopher Fritzsche, welche entscheidende Rolle Geschlechterfragen in rechter Politik zukomme. In der Abschlussdiskussion betonten die Teilnehmer*innen den Bedarf, bestehende Demokratietheorien zu aktualisieren, um Geschlechterperspektiven, aber auch innerdemokratische Krisenherde besser abzubilden. Im Forschungsverbund ergeben sich daraus wichtige Fragen zur weiteren Begriffsarbeit.

